Der Abschied

Das ist der Abschied, hier an diesem Ort,
Wo Straßenlärm und Licht in andere Straßen führen
Und wir vor Kälte stumm im Regen frieren.
Du schaust mich an, es fällt kein Wort.

Nun geh schon, alles ist gesagt.
Es ist vorbei, kein Grund zu klagen.
Ich will nichts wissen, keine Fragen,
Wie es geschah, woran es lag.

Nun geh schon, es hat keinen Sinn,
Im Regen zu stehn,
Wo kalte Winde dein Haar verwehn
Und ich wie von Schmerz versteinert bin.

Schau dir noch lange hinterher,
Bis du verschwunden, die Straße leer.

 

Feriengefahren - Satire

Wer jetzt vom Urlaub zurückkommt, kann viel erzählen.
Christina war in Brasilien, hatte eine Affäre mit ihrem Reiseleiter, bekam nach zwei Wochen Malaria und vergaß auf der Rückfahrt ihre japanische Videokamera. Hans, der auf Kuba war, hatte eine Affäre mit der Frau seines Reiseleiters, der ihm deswegen die neue, japanische Videokamera um die Ohren schlug, so dass Hans sich fühlte, als hätte er Malaria.
Nur Fridolin in Italien hatte keine Malaria, hatte auch keine Urlaubsaffäre und besitzt sogar immer noch eine funktionsfähige Videokamera, weil seine Frau, die mit dem Reiseleiter und der ganzen Reisekasse durchbrannte, wenigstens die japanische Videokamera zurückließ.
Ich selbst war zwar schon hier und dort und auch weiter weg, aber was da mancher von seinen Urlaubsabenteuern berichtet, da kann ich nicht mithalten. Mein Freund Karl ist so einer. Überall ist er schon gewesen. In seinem großen Urlaubs-Fotoalbum sieht man ihn auf einem Kamel vor den ägyptischen Pyramiden oder wie er gerade Brotzeit auf der Chinesischen Mauer macht. Ja, es gibt sogar ein Foto, wo der Karl mit dem sagenumwobenen Yeti-Menschen im Himalaya Schlitten fährt.
"Eine tolle Fahrt", sagt der Karl jedesmal, wenn er das Foto zeigt, und dass der Yeti ein Pfundskerl sei und überhaupt nicht so, wie sie in den Zeitungen über ihn schreiben.
Wenn man all die Fotos sieht, die der Karl auf seinen Reisen gemacht hat, da würde man am liebsten gleich losfahren, weit weg, nach Nepal oder auf die Bermudas. Aber dann berichtet Karl von all den Gefahren und Schrecken, die den Reisenden überall erwarten.
Von Abenteuersafaris zu mysteriös niedrigen Preisen, und erst im Kochtopf eines Eingeborenenstammes merkt der ahnungslose Tourist, dass das Angebot deshalb so günstig war, weil das Reiseunternehmen am Rückflugticket gespart hat.
Und in China, so erzählt der Karl mit warnender Stimme, da gäbe es chinesische Räuberbanden, die den Reisenden ausraubten bis aufs Hemd und dessen Reisekasse in billigen chinesischen Kneipen verprassten.
Und in Indien, da gäbe es indische Räuberbanden, die den Reisenden ausraubten bis aufs Hemd und dessen Reisekasse in billigen indischen Kneipen verprssten.
Ja, soger in Amerika, da gäbe es amerikanische Räuberbanden ...
Aber das will ich dann gar nicht mehr hören. Da mach ich nächstes Jahr doch lieber wieder Urlaub an einem bayerischen See. Wie jedes Jahr.
 

Extremurlaub - Satire

Ich hatte in der Zeitung davon gelesen. Überlebenstraining in den Pyrenäen. Der Exremurlaub für richtige Männer. Ich meldete mich sofort an.
Wir waren fünf, als wir am ersten Tag unseren Reiseleiter kennenlernten. Er hieß Manfred und trug einen Bart. "Das wird ein Urlaub, den Sie nicht vergessen werden", sagte er und lächelte.
Am nächsten Tag marschierten wir los. Ohne Proviant und ohne Zelt. "Wir proben den Ernstfall", hatte uns Manfred versprochen. Nach zwei Stunden hatte ich Hunger. "Ich habe Hunger", sagte ich. Jetzt begann das Abenteuer. "Kein Problem", sagte Manfred. "Die Natur schenkt uns Nahrung im Übermaß." Er zum Beispiel bevorzuge Spinnen. Sehr proteinreich. Oder Regenwürmer. Regenwürmer seien ein geradezu ideales Gericht für den Extremurlauber.
Ich beschloss, mein Hungergefühl zu ignorieren. Doch abends war ich zu allem bereit. "Überwindung ist alles", sagte Manfred und verschlang einen Regenwurm. Ich schloss die Augen und machte es ihm nach. Das war der Anfang.
In den folgenden zwei Wochen lernte ich alles für den Ernstfall. Überleben unter den schwierigsten Bedingungen. Ob im Dschungel Brasiliens oder in den Straßen Kalkuttas. Ich lernte, welche Garderobe der Extremurlauber wählt, wenn er von Kannibalen zum Abendessen eingeladen wird. Oder wie man Piraten im chinesischen Meer anredet, die es auf Leben und Geld des Extremurlaubers abgesehen haben.
"Auf jeden Fall ganz ruhig bleiben", sagt Manfred. "Lächeln und keine Angst zeigen. Versuch die Sympathie deiner neuen Bekannten zu gewinnen." Zum Beispiel mit Zaubertricks. Das sei ganz einfach. Man brauche nichts weiter als einen Zylinder und ein Kaninchen. Ein kleines Zauberkunststückchen würde die Situation sofort entspannen.
Ich lernte, wie man die überraschende Begegnung mit einem Krokodil übersteht. Das könne überall passieren, sagte Manfred. Ob im tiefsten Dschungel oder in der Kanalisation von Los Angeles. Auch hier das Wichtigste: Keine Angst zeigen. Zauberkunststücke wären hier weniger zu empfehlen. Auf das Krokodil zugehen und lächeln. Wenn man nahe genug sei, dem Krokodil einfach das Maul zuhalten. Und dann mit einer Schnur zubinden. Das sei es schon. Wir schauten Manfred bewundernd an.
Nach zwei Wochen Extremurlaub fühlte ich mich jeder Situation gewachsen. Ich fuhr danach noch einige Tage nach Paris. Unglücklicherweise fiel ich Straßenräubern in die Hände. Über meinen Zaubertrick lachten sie nur und nahmen mir mein Kaninchen weg. Sie raubten mich völlig aus. Müde und hungrig irrte ich durch Paris. Und nirgends ein Regenwurm oder eine Spinne. Schwere Zeiten für den Extremurlauber.