Briefe, die nie geschrieben wurden: Thomas Gottschalk bewirbt sich als Bundespräsident.

Liebe Bundeskanzlerin Angela Merkel,

hiermit möchte ich mich für das Amt des Bundespräsidenten bewerben.
Ich weiß, Joachim Gauck soll es werden. Aber noch ist es nicht zu spät für eine andere Entscheidung. Lassen Sie mich Ihnen meine Argumente darlegen, und Sie werden wie ich der Meinung sein, dass es keinen besseren Kandidaten für diese wichtige Aufgabe gibt.

Mein wichtigstes Argument: meine Haare.
Können Sie sich an einen Bundespräsidenten erinnern, der so schöne Haare hatte wie ich sie habe? Eine jugendliche dynamische Frisur, die sicher auch bei den weiblichen Staatsbürgern gut ankommt und dem Amt neue Frische und Impulse gibt.
Christian Wulff brauchte eine hübsche Frau, um zwischen all der Hässlichkeit der Politik einen Kontrapunkt zu setzen. Mit meinen schönen Haaren habe ich das nicht nötig.

Wenn Sie einwenden, dass meine Frisur bei längeren Auslandsaufenthalten und der schwierigen Arbeit als Politiker leiden und dabei aussehen könnte wie ein zerfranster Topflappen, so kann ich sie beruhigen. Egal, ob ich mit dem Emir in Katar ein Kamelrennen mache oder eine flotte Runde mit Benedikt in seinem Papamobil drehe. Meine blonden Locken sitzen immer perfekt.

Auch werden Sie in mir einen unbestechlichen und aufrechten Vertreter des Amtes finden. Ein kleines Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Als mir meine bezaubernde Ex-Assistentin Michelle Hunziker kürzlich Haribo-Gummibärchen mitbrachte, lehnte ich sofort ab.
Es war hart für mich, aber ich sagte ihr, dass ich als zukünftiger Bundespräsident keine Gummibärchen annehmen könne. Von niemandem.
Seitdem habe ich immer selber Gummibärchen bei mir, dass ich nicht in Versuchung komme.

Ein weiteres wichtiges Argument: Ich bin beliebt.
Bei einer Umfrage eines Internetmagazins, wer der beliebteste Deutsche sei, lag ich weit vor Lothar Matthäus und sogar Franz Beckenbauer konnte ich auf die Plätze verweisen.

Auf diese meine Beliebtheit zähle ich so sehr, dass ich bereit bin, eine Wette einzugehen.

Wetten, dass ich schon im ersten Wahlgang die erforderlichen Stimmen bekomme.
Wenn nicht, bin ich bereit, ein Schweigegelübde für drei Monate abzulegen und in irgendein Kloster zu irgendwelchen schweigenden Mönchen zu ziehen.

Wer mich kennt, der weiß, wie hart das für mich ist. Wo ich doch den ganzen Tag plappere und plappere und plappere. Egal, ob mir jemand zuhört oder nicht, ob es Sinn hat oder nicht, ich plappere.
Aber ich bin bereit, diese riskante Wette einzugehen. Topp, die Wette gilt.

Falls Sie immer noch Zweifel haben, möchte ich Sie mit den folgenden Worten ausräumen.
Ich habe in den letzten Wochen genau studiert, was die Aufgaben eines Bundespräsidenten sind. Meiner Meinung bestehen diese hauptsächlich in den folgenden Tätigkeiten: 

  • reden mit anderen wichtigen Menschen
  • sich fotografieren lassen
  • mit der französischen First Lady scherzen, wer die schöneren Haare hat
  • essen mit anderen wichtigen Menschen
  • das Kleid der First Lady von Amerika loben
  • aufpassen, dass der Präsident aus Griechenland nicht das ganze Tafelsilber klaut
  • Orden verleihen
  • wichtige Dokumente unterschreiben
  • in die Kamera lächeln
  • mit dem französischen Präsidenten Sarkozy im Spaß darüber streiten, wer die längere Nase hat (ich natürlich!)
  • Reden halten
  • sich über freche Journalisten ärgern. 

Bei all diesen Aufgaben wird mir meine frühere Tätigkeit im Fernsehen zu Hilfe kommen.

Vor allem beim Unterschreiben von wichtigen Dokumenten wird sich meine jahrelange Erfahrung auszahlen. Ich musste so viele Autogramme geben, dass Sie in der Kunst des Unterzeichnens nur schwerlich einen Besseren finden werden. Und ich möchte behaupten, dass durch die jahrelange Übung meine Unterschrift eine Eleganz und Schönheit besitzt, die jedes Gesetzesdokument ästhetisch stark aufwerten wird.

Haben Sie noch Zweifel? Hier sind weitere wichtige Argumente: 

  • Meine neue Show hat lausige Quoten und ich brauche eine neue Aufgabe.
  • Bisher hatten die Bundespräsidenten immer graue, braune oder weiße Haare. Jetzt ist endlich mal ein Blondierter dran.
  • Ich wette, ich kann viel besser singen als Walter Scheel. 

Ich hoffe, Sie sind nun überzeugt. Über eine Einladung zu einem Gespräch freue ich mich. (Ich bringe auch Gummibärchen mit.)

Ihr Thomas Gottschalk

 
Über mich
Gedichte, Satiren und Sonette von dem Autor Gunnar Schuberth
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