Die Geliebte
Die Leichtigkeit, wie sie sich ganz entblößt,
Als trüge unter ihr der Boden kein Gewicht,
Als wäre sie allein im Raum, als wäre nicht
Mein Blick. Wie sie die Halter ihrer Strümpfe löst
Und achtlos fallen lässt. Der Zug um ihren Mund,
Wenn sie mich ansieht, der ich mich nach ihr verzehre.
Ihr Lächeln nimmt dem Augenblick die Schwere,
Als gäbe ihre Blöße keinen Grund
Für die Erregung meiner Sinne.
Und der Moment, wenn sie dann endlich
Sich zu mir neigt und legt sich neben mich.
Die Weichheit, die Verhaltenheit in ihrer Stimme,
Als wäre sie erschrocken über ihre Lust,
Als wäre sie sich ihrer Nacktheit kaum bewusst.
Fachmännische Arbeit
Die Handwerker kamen kurz nach Mittag. Der eine war groß und dünn, der andere klein und dick.
"Es ist nur das Licht", sagte ich. "Es funktioniert nicht. Aber an der Glühbirne kann es nicht liegen, die ist neu."
Der Dicke betätigte den Lichtschalter. Nichts. Er kratzte sich am Hinterkopf. "Schwierige Sache", sagte er
"Sehr schwierig", wiederholte der Dünne. Dann ging der Dünne zum Schalter und drückte darauf. Nichts.
"Schwierige Sache", sagte er. "Sehr schwierig", wiederholte der Dicke. Ich wurde ein wenig unruhig.
"Mein Schwager hat gesagt, es wäre wahrscheinlich nur ein kleines Kabel", sagte ich. Der Dicke sah mich an.
"Scheint ja ein richtiger Fachmann zu sein, Ihr Schwager."
Er wandte sich an seinen Kollegen. "Das hatten wir doch schon mal, dass da so ein Schwager rumgestümpert hat", meinte er.
Der Dünne nickte. "War das eine Explosion", sagte er.
"Das Haus ist explodiert?", fragte ich erschrocken.
"Das Haus nicht", sagte der Dicke. "Der Schwager."
Er nahm seine Tasche. "Ja", sagte er. "Da kann ja auch Ihr Schwager kommen und das reparieren."
"Aber ich bitte Sie", sagte ich. "Mein Schwager hat sicher unrecht. Er ist ja auch kein Fachmann."
Die beiden sahen sich kurz an. Dann stellte der Dicke seine Tasche wieder ab.
"Die Sicherungskästen sind im Keller", sagte ich.
Der Dicke ging kurz nach unten, kam dann wieder zurück. Er schüttelte den Kopf.
"Und?", fragte ich. "Wir müssen wahrscheinlich die Wand durchbrechen", sagte der Dicke.
"Die Wand?" Ich wurde bleich. "Ja, wollen Sie jetzt eine fachmännische Arbeit?", fragte er.
"Oder soll doch lieber Ihr Schwager?", ergänzte der Dünne.
"Aber nein", sagte ich. "Wenn es unbedingt nötig ist."
Sie gingen in den Keller. Nach einer halben Stunde hörte ich einen lauten Krach.
"Was ist?", schrie ich nach unten. "Schwierige Sache", hörte ich eine Stimme. "Sehr schwierig", ergänzte eine zweite Stimme.
Dann explodierte etwas. Der Boden unter meinen Füßen erzitterte. Die Wand zur Küche krachte zusammen.
Der Dicke kam aus den Trümmern heraus. Er klopfte sich den Staub ab.
"Sie hatten Glück", sagte er. "Es war nur ein kleines Kabel."
Jetzt kam auch der andere. Er ging zum Schalter und betätigte ihn. Das Licht brannte. Er lächelte mich zufrieden an.
"Sehen Sie, das ist fachmännische Arbeit", sagte er.
Sie packten ihre Sachen. "Die Rechnung schicken wir Ihnen", sagte der Dünne noch. Dann gingen sie.


