Noch betrunken von Hitze und Wein

Noch betrunken von Hitze und Wein
liegen wir im Gras.
Mein Kopf schläft an deinem Schoß
und der Sommer hängt über unseren Bäuchen
mit einem grünen Blatt im Haar.

Und ich denke,
dass das ein gutes Leben ist.
Gut zu leben
an diesem Abend, diesem Ort.

 

Wenn wir uns nur nicht brechen lassen.
Wenn unser Atem reicht
und unsere Stimme nicht brüchig wird
von Bitterkeit und dem Zorn der kommenden Tage.
Wenn Phantasie nur immer wieder anrennt
gegen Wirklichkeiten
und unsere Träume fallen heraus
und fangen an zu blühn.

Wenn wir uns nur nicht brechen lassen
sehen wir uns wieder.
Wir beide im Gras
und der Sommer hängt über unseren Bäuchen
mit einem grünen Blatt im Haar.

 

Müllforschung

Mit den Problemen der Müllentsorgung haben sich schon zahlreiche Wissenschaftler beschäftigt. Jetzt hat sich sogar ein Psychologe des anrüchigen Themas angenommen. Wer war zuerst da, der Mensch oder der Müll? Ist das Wegwerfen ein Urinstinkt, der seit der Steinzeit in uns steckt? Oder ist ein pränatales Erlebnis schuld für den zwanghaften Trieb, alles in die Mülltonne zu werfen?
Das sind Fragen, die den Psychologen Dr. Harmut Winterstein aus Müllhausen bei seinen Forschungen beschäftigten. Eine These von ihm: Das Verhältnis eines Menschen zu seinem Müll sagt viel über seinen Charakter. Dr. Winterstein unterscheidet drei Mülltypen: den Wegwerfer, den Sammler und den Recycler.
Der Wegwerfer, so Winterstein, sieht im Leben Verwesung und Tod. Er glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, beim Menschen genausowenig wie beim Müll. Dass eine alte Coladose, achtlos weggeworfen, als Sardinenbüchse ein glanzvolles Comeback erleben könnte, das kann er sich nicht vorstellen. Für ihn kehrt nie zurück, was einmal auf dem Müll gelandet ist, und alles, was existiert, ist verdammt, ewig in der Müllverbrennungsanlage zu schmoren. Daher wirft er alles weg. Am Anfang war der Müll, und alles wird wieder auf dem riesigen Müllhaufen der Geschichte enden. Auf dass die ganze Welt in Müll ersticke.
Der Sammler dagegen sammelt, was er nur kriegen kann. In seiner Wohnung stapelt sich der Müll. Was er hat, das hat er und lässt er nicht mehr los. Ich sammle, also bin ich, das ist seine Devise. Der Sammler sieht nicht, dass sich ein Ding immer wieder verändern und neu entstehen muss. Denn ein Mensch muss auch loslassen können und dem Weißblech die Chance geben, als Keksdose eine neue Bestimmung zu finden.
Ganz anders der Recycler. Er weiß, dass der Mensch und die Dinge nur Erscheinungsformen einer unvergänglichen Existenz sind. Das Holz des Baumes wird zu Papier, aus diesem wird ein Buch. Dieses Buch landet auf dem Altpapiercontainer, feiert als Recycling-Klopapier eine wundersame Auferstehung und geht schließlich durch die Toilettenspülung den Weg alles Irdischen in die Kläranlage. Und als Klärschlamm und Dünger läßt es wieder einen Baum wachsen und gedeihen. Welch wunderbarer Kreislauf.
Kein Ding, glaubt der Recycler, ist dazu bestimmt, in der Müllverbrennungsanlage ein grausiges Ende zu nehmen. Doch Dr. Wintersteins Forschungen lassen Fragen offen. Warum kann einer mit guter Kinderstube und besten Voraussetzungen zum asozialen Wegwerfer werden, und ein anderer, den frühe Heirat und geregeltes Einkommen schon in jungen Jahren auf die schiefe Bahn gebracht haben, wird doch noch ein verantwortungsvoller Recycler? Fragen, auf die Dr. Winterstein bisher keine Antwort weiß. Doch seine Forschung geht weiter.