Planer für den Erfolg

Mein 34. Geburtstag. Ein in buntes Geschenkpapier eingewickeltes Etwas lag auf dem Tisch, daneben stand mein Freund Helmut und sah mich erwartungsvoll an. Ich packte es vorsichtig aus. Zum Vorschein kam ein kleines Büchlein. "Ein Terminkalender?" fragte ich. Helmut schüttelte den Kopf. "Nein," sagte er. "Ein timeplaner."
Ich blickte ihn ratlos an. Helmut erklärte mir, dass timeplaner für gestresste Manager und Menschen unter Zeitdruck entwickelt wurden. Ein timeplaner sei natürlich auch ein Terminkalender, aber er sei vor allen ein System, um seine Zeit optimal zu nutzen.
"Der timeplaner," meinte Helmut, "ist die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg. Er macht dich frei für kreative Ideen. Angela Merkel, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Dagobert Duck. Sie sind nichts ohne ihren timeplaner."
"Aber ich brauche keinen timeplaner“, entgegnete ich. "Jeder braucht einen timeplaner“, wischte Helmut meinen Einwand beiseite. "Und außerdem wird es Zeit, dass du endlich ein geregeltes Leben in Sicherheit und Wohlstand führst. Und das geht nicht ohne timeplaner."
Was wollte Helmut nur? Ich hatte das beste Leben, das ich mir denken konnte. Ich machte mir keine Gedanken um die Zukunft und lebte in den Tag hinein. Ich war frei und glücklich. Wozu ein timeplaner?
Aber dann erzählte mir Helmut, was man alles mit diesem timeplaner erreichen könne. Eine Villa im Grünen, den Vorsitz im örtlichen Golfclub, und es würde nicht lange dauern, versicherte mir Helmut, da hätte ich die erste Million auf meinem Konto. Ich blickte nachdenklich auf meinen timeplaner.
Abends blätterte ich das Ding misstrauisch durch. Eine Rubrik war für die Ziele des nächsten Jahres. Ich schrieb auf: eine Villa im Grünen, den Vorsitz im Golfclub und mindestens eine Million auf dem Konto. Ich legte mich zufrieden schlafen.
Der timeplaner veränderte mein Leben. Schon bald lobte mein Chef meine Disziplin und Zuverlässigkeit und beförderte mich. Die ersten Erfolge spornten mich an. Jede Stunde nutzte ich, um weiterzukommen. Bald hatte ich alles, was zu einem Leben in Sicherheit und Wohlstand gehört: eine Villa im Grünen, den Vorsitz im Golfclub, eine Versicherung gegen Wasserschäden, eine Versicherung gegen Sturmschäden, einen Sportwagen, eine Versicherung gegen Einbruch und eine Frau, die mich mit meinem Versicherungsvertreter betrog.
Ich konnte nicht mehr aufhören. Meine Villa, meine Frau und die Versicherungspolicen erforderten immer größere Ausgaben. Ich brauchte einen neuen, größeren timeplaner.
Bald zeigten sich erste gesundheitliche Verschleißerscheinungen. Mein Arzt riet mir dringend zu einem längeren Urlaub. Aber der timeplaner beherrschte mein Leben. Ich stand kurz vor dem Herzinfarkt, als das Wunder geschah. Ich verlor meinen timeplaner.
Seitdem habe ich wieder Zeit. Ich lebe ruhig und zufrieden. Fragt man mich nach meinen Zielen für die Zukunft, dann antworte ich, dass nur glücklich ist, wer von allen Wünschen frei ist und keinen timeplaner besitzt.
darryl
am  20. August 2009  um  14:26

Klingt richtig interessant, meine Begrüßungen! Weiter so!

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