Montag, 29. Juni 2009
Begegnung im Schnellimbiss
Wir waren uns beide nicht sicher. Der Heinz genausowenig wie ich. Man muss sich das vorstellen: Der berühmte Fernsehstar Bruno Wasilow in einem türkischen Schnellimbiß.
Gewiss, die Ähnlichkeit war verblüffend. Der da langsam und mit Genuss ein Döner Kebab aß, war dem Bruno Wasilow wie aus dem Gesicht geschnitten. Gestern noch hatte ich ihn in seiner Paraderolle bewundern können. Als Pfarrer Gottlieb Dorn in der Serie "Mit allen Wassern gewaschen."
Keiner konnte das "Gott sei seiner armen Seele gnädig" so ausdrucksvoll sprechen wie Bruno Wasilow. Keiner. Wie hatte es ihn nur hierher verschlagen?
"Vielleicht", sagte ich zu Heinz, "hat der Bruno Wasilow das Leben als Star gründlich satt. Das dauernde Kaviaressen und den klebrigen Champagner in First-Class-Restaurants." Und da habe er sich inkognito unter die Leute gemischt und sei in einem türkischen Schnellimbiss gelandet.
Aber dann kamen uns Zweifel. Es könnte ja sein, meinte der Heinz, dass das gar nicht der richtige Bruno Wasilow sei, sondern nur ein Double. Da ja alle berühmten Stars Doubles hätten, die den echten Star bei Autogrammstunden, Talkshows und Attentatsversuchen verrückter Fans vertreten würden.
Der Auftritt von Frau Habermaier hat endlich alles aufgeklärt, wenn auch auf sehr tragische Weise. Die Frau Habermaier ist schon an der Tür stehengeblieben, als sie den berühmten Bruno Wasilow gesehen hat. "Meine Güte", hat sie gesagt, "der Bruno Wasilow hier beim Türken."
Der Bruno Wasilow wurde mit einem Schlag ganz bleich. Und die Frau Habermaier konnte sich gar nicht mehr beruhigen. "Nein", hat sie gesagt und hat nach Luft geschnappt, "dass ich das erleben darf. Der Bruno Wasilow."
Die Frau Habermaier musste sich setzen. Ganz rot war sie im Gesicht, hat sich an die Brust gefasst und ist vom Stuhl gekippt. Ein Herzanfall.
Alle sprangen auf und starrten auf die Frau Habermaier, auch der Bruno Wasilow. Und da sind mir wieder Zweifel gekommen. Weil der Bruno Wasilow früher auch schon einen Schönheitschirurgen gespielt hat, und jetzt stand er nur da und schaute dumm.
Aber es zeigte sich, dass die wahre Rolle und Bestimmung von Bruno Wasilow eben der Pfarrer Gottlieb Dorn ist. Denn als der Notarzt bedauernd den Tod festgestellt hatte und dann den Bruno Wasilow um ein Autogramm bat, da hat sich der berühmte Fernsehstar noch einmal über die Tote gebeugt: "Gott sei ihrer armen Seele gnädig", hat er gesagt. Genau wie im Fernsehen, mit dieser Poesie in der Stimme. Und da konnte es auch keinen Zweifel mehr geben, dass das der echte Bruno Wasilow war, was den Heinz und mich wirklich beruhigt hat.
Was wäre das andernfalls für ein Tod gewesen für die Frau Habermaier: Bruno Wasilow sehen, einen Herzschlag kriegen und dann sterben. Und dann hätte sich herausgestellt, dass es nur ein Double war! Das wäre wirklich bitter gewesen.
Gewiss, die Ähnlichkeit war verblüffend. Der da langsam und mit Genuss ein Döner Kebab aß, war dem Bruno Wasilow wie aus dem Gesicht geschnitten. Gestern noch hatte ich ihn in seiner Paraderolle bewundern können. Als Pfarrer Gottlieb Dorn in der Serie "Mit allen Wassern gewaschen."
Keiner konnte das "Gott sei seiner armen Seele gnädig" so ausdrucksvoll sprechen wie Bruno Wasilow. Keiner. Wie hatte es ihn nur hierher verschlagen?
"Vielleicht", sagte ich zu Heinz, "hat der Bruno Wasilow das Leben als Star gründlich satt. Das dauernde Kaviaressen und den klebrigen Champagner in First-Class-Restaurants." Und da habe er sich inkognito unter die Leute gemischt und sei in einem türkischen Schnellimbiss gelandet.
Aber dann kamen uns Zweifel. Es könnte ja sein, meinte der Heinz, dass das gar nicht der richtige Bruno Wasilow sei, sondern nur ein Double. Da ja alle berühmten Stars Doubles hätten, die den echten Star bei Autogrammstunden, Talkshows und Attentatsversuchen verrückter Fans vertreten würden.
Der Auftritt von Frau Habermaier hat endlich alles aufgeklärt, wenn auch auf sehr tragische Weise. Die Frau Habermaier ist schon an der Tür stehengeblieben, als sie den berühmten Bruno Wasilow gesehen hat. "Meine Güte", hat sie gesagt, "der Bruno Wasilow hier beim Türken."
Der Bruno Wasilow wurde mit einem Schlag ganz bleich. Und die Frau Habermaier konnte sich gar nicht mehr beruhigen. "Nein", hat sie gesagt und hat nach Luft geschnappt, "dass ich das erleben darf. Der Bruno Wasilow."
Die Frau Habermaier musste sich setzen. Ganz rot war sie im Gesicht, hat sich an die Brust gefasst und ist vom Stuhl gekippt. Ein Herzanfall.
Alle sprangen auf und starrten auf die Frau Habermaier, auch der Bruno Wasilow. Und da sind mir wieder Zweifel gekommen. Weil der Bruno Wasilow früher auch schon einen Schönheitschirurgen gespielt hat, und jetzt stand er nur da und schaute dumm.
Aber es zeigte sich, dass die wahre Rolle und Bestimmung von Bruno Wasilow eben der Pfarrer Gottlieb Dorn ist. Denn als der Notarzt bedauernd den Tod festgestellt hatte und dann den Bruno Wasilow um ein Autogramm bat, da hat sich der berühmte Fernsehstar noch einmal über die Tote gebeugt: "Gott sei ihrer armen Seele gnädig", hat er gesagt. Genau wie im Fernsehen, mit dieser Poesie in der Stimme. Und da konnte es auch keinen Zweifel mehr geben, dass das der echte Bruno Wasilow war, was den Heinz und mich wirklich beruhigt hat.
Was wäre das andernfalls für ein Tod gewesen für die Frau Habermaier: Bruno Wasilow sehen, einen Herzschlag kriegen und dann sterben. Und dann hätte sich herausgestellt, dass es nur ein Double war! Das wäre wirklich bitter gewesen.
Montag, 15. Juni 2009
Planer für den Erfolg
Mein 34. Geburtstag. Ein in buntes Geschenkpapier eingewickeltes Etwas lag auf dem Tisch, daneben stand mein Freund Helmut und sah mich erwartungsvoll an. Ich packte es vorsichtig aus. Zum Vorschein kam ein kleines Büchlein. "Ein Terminkalender?" fragte ich. Helmut schüttelte den Kopf. "Nein," sagte er. "Ein timeplaner."
Ich blickte ihn ratlos an. Helmut erklärte mir, dass timeplaner für gestresste Manager und Menschen unter Zeitdruck entwickelt wurden. Ein timeplaner sei natürlich auch ein Terminkalender, aber er sei vor allen ein System, um seine Zeit optimal zu nutzen.
"Der timeplaner," meinte Helmut, "ist die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg. Er macht dich frei für kreative Ideen. Angela Merkel, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Dagobert Duck. Sie sind nichts ohne ihren timeplaner."
"Aber ich brauche keinen timeplaner“, entgegnete ich. "Jeder braucht einen timeplaner“, wischte Helmut meinen Einwand beiseite. "Und außerdem wird es Zeit, dass du endlich ein geregeltes Leben in Sicherheit und Wohlstand führst. Und das geht nicht ohne timeplaner."
Was wollte Helmut nur? Ich hatte das beste Leben, das ich mir denken konnte. Ich machte mir keine Gedanken um die Zukunft und lebte in den Tag hinein. Ich war frei und glücklich. Wozu ein timeplaner?
Aber dann erzählte mir Helmut, was man alles mit diesem timeplaner erreichen könne. Eine Villa im Grünen, den Vorsitz im örtlichen Golfclub, und es würde nicht lange dauern, versicherte mir Helmut, da hätte ich die erste Million auf meinem Konto. Ich blickte nachdenklich auf meinen timeplaner.
Abends blätterte ich das Ding misstrauisch durch. Eine Rubrik war für die Ziele des nächsten Jahres. Ich schrieb auf: eine Villa im Grünen, den Vorsitz im Golfclub und mindestens eine Million auf dem Konto. Ich legte mich zufrieden schlafen.
Der timeplaner veränderte mein Leben. Schon bald lobte mein Chef meine Disziplin und Zuverlässigkeit und beförderte mich. Die ersten Erfolge spornten mich an. Jede Stunde nutzte ich, um weiterzukommen. Bald hatte ich alles, was zu einem Leben in Sicherheit und Wohlstand gehört: eine Villa im Grünen, den Vorsitz im Golfclub, eine Versicherung gegen Wasserschäden, eine Versicherung gegen Sturmschäden, einen Sportwagen, eine Versicherung gegen Einbruch und eine Frau, die mich mit meinem Versicherungsvertreter betrog.
Ich konnte nicht mehr aufhören. Meine Villa, meine Frau und die Versicherungspolicen erforderten immer größere Ausgaben. Ich brauchte einen neuen, größeren timeplaner.
Bald zeigten sich erste gesundheitliche Verschleißerscheinungen. Mein Arzt riet mir dringend zu einem längeren Urlaub. Aber der timeplaner beherrschte mein Leben. Ich stand kurz vor dem Herzinfarkt, als das Wunder geschah. Ich verlor meinen timeplaner.
Seitdem habe ich wieder Zeit. Ich lebe ruhig und zufrieden. Fragt man mich nach meinen Zielen für die Zukunft, dann antworte ich, dass nur glücklich ist, wer von allen Wünschen frei ist und keinen timeplaner besitzt.
Ich blickte ihn ratlos an. Helmut erklärte mir, dass timeplaner für gestresste Manager und Menschen unter Zeitdruck entwickelt wurden. Ein timeplaner sei natürlich auch ein Terminkalender, aber er sei vor allen ein System, um seine Zeit optimal zu nutzen.
"Der timeplaner," meinte Helmut, "ist die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg. Er macht dich frei für kreative Ideen. Angela Merkel, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Dagobert Duck. Sie sind nichts ohne ihren timeplaner."
"Aber ich brauche keinen timeplaner“, entgegnete ich. "Jeder braucht einen timeplaner“, wischte Helmut meinen Einwand beiseite. "Und außerdem wird es Zeit, dass du endlich ein geregeltes Leben in Sicherheit und Wohlstand führst. Und das geht nicht ohne timeplaner."
Was wollte Helmut nur? Ich hatte das beste Leben, das ich mir denken konnte. Ich machte mir keine Gedanken um die Zukunft und lebte in den Tag hinein. Ich war frei und glücklich. Wozu ein timeplaner?
Aber dann erzählte mir Helmut, was man alles mit diesem timeplaner erreichen könne. Eine Villa im Grünen, den Vorsitz im örtlichen Golfclub, und es würde nicht lange dauern, versicherte mir Helmut, da hätte ich die erste Million auf meinem Konto. Ich blickte nachdenklich auf meinen timeplaner.
Abends blätterte ich das Ding misstrauisch durch. Eine Rubrik war für die Ziele des nächsten Jahres. Ich schrieb auf: eine Villa im Grünen, den Vorsitz im Golfclub und mindestens eine Million auf dem Konto. Ich legte mich zufrieden schlafen.
Der timeplaner veränderte mein Leben. Schon bald lobte mein Chef meine Disziplin und Zuverlässigkeit und beförderte mich. Die ersten Erfolge spornten mich an. Jede Stunde nutzte ich, um weiterzukommen. Bald hatte ich alles, was zu einem Leben in Sicherheit und Wohlstand gehört: eine Villa im Grünen, den Vorsitz im Golfclub, eine Versicherung gegen Wasserschäden, eine Versicherung gegen Sturmschäden, einen Sportwagen, eine Versicherung gegen Einbruch und eine Frau, die mich mit meinem Versicherungsvertreter betrog.
Ich konnte nicht mehr aufhören. Meine Villa, meine Frau und die Versicherungspolicen erforderten immer größere Ausgaben. Ich brauchte einen neuen, größeren timeplaner.
Bald zeigten sich erste gesundheitliche Verschleißerscheinungen. Mein Arzt riet mir dringend zu einem längeren Urlaub. Aber der timeplaner beherrschte mein Leben. Ich stand kurz vor dem Herzinfarkt, als das Wunder geschah. Ich verlor meinen timeplaner.
Seitdem habe ich wieder Zeit. Ich lebe ruhig und zufrieden. Fragt man mich nach meinen Zielen für die Zukunft, dann antworte ich, dass nur glücklich ist, wer von allen Wünschen frei ist und keinen timeplaner besitzt.


