Doubles
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich das erste Mal Bodo Marek begegnete. Auf der Straße blieb er fassungslos vor mir stehen. "Was für eine verblüffende Ähnlichkeit", sagte er. Ich sah ihn fragend an. Bodo gab mir seine Visitenkarte. Er war Inhaber einer Agentur für Doubles.
"Sie müssen für mich arbeiten, unbedingt", sagte er immer wieder. "Als Double des Fernsehstars Toni Armbruster. Sie sehen ihm ähnlicher als er selbst." Marek redete mir immer wieder zu. Doch ich hatte Zweifel. "So eine einzigartige Persönlichkeit wie Toni Armbruster", sagte ich. "Wie kann ich sein Double sein?"
Bodo schüttelte den Kopf. "Niemand ist einzigartig", philosophierte er. "Unsere Massengesellschaft hat uns zu austauschbaren Individuen gemacht. Jeder kann auch ein anderer sein."
Ich ließ mir die Haare frisieren und einen Bart wachsen. Ich sah in den Spiegel. Bodo Marek hatte Recht. Die Ähnlichkeit war verblüffend.
Meine Erfolge waren beeindruckend. Wenn sich Armbruster von seinen Alkoholexzessen erholte, trat ich für ihn auf. Auf Parties und in Fernsehshows spielte ich den berühmten Schauspieler. Niemand bemerkte etwas. Doch auf einem Empfang umringten mich plötzlich mehrere schwarzgekleidete Männer. Sie wiesen sich als Polizisten aus und nahmen mich fest.
Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. So lautete die Anklage. Ich beteuerte meine Unschuld. Ich schwor, dass ich nicht Toni Armbruster sei, sondern lediglich ein Double. Aber der Richter lächelte nur. Er verurteilte mich zu drei Monaten Gefängnis.
Als ich entlassen wurde, suchte ich nach Toni Armbruster. Ich wollte meine Unschuld beweisen. In seiner Villa fand ich ihn. Er mixte sich gerade einen Drink. Meine Vorwürfe wehrte der Mann ab. "Was wollen Sie von mir?" fragte er. "Ich bin nicht Toni Armbruster, ich bin nur sein Double." Ich sah ihn sprachlos an. Dann verließ ich das Haus.
In den folgenden Wochen traf ich immer wieder auf Toni Armbruster. An jeder Straßenecke glaubte ich ihn zu erkennen. Manchmal waren mehrere Armbrusters auf einer Party. "Aber Herr Armbruster," sagten sie, wenn ich sie zur Rede stellte. "Ich bin doch nur ein Double. Sie sind der echte."
Meine Verwirrung steigerte sich. Endlich glaubte ich den echten Armbruster gefunden zu haben. Leider stellte sich heraus, daß er nur das Double eines Doubles von Armbruster war.
Eines Tages traf ich Bodo Marek auf der Straße. "Was geht hier vor?" fragte ich. "Wo ist der echte Toni Armbruster?" Marek schwieg lange. "Es gibt keinen Toni Armbruster", sagte er. "Oder besser gesagt", fuhr er fort. "Jeder kann Toni Armbruster sein. Verstehen Sie? Jeder kann auch ein anderer sein."
"So ein Unsinn", sagte ich. "Wir sind einzigartige Individuen." Bodo Marek lächelte mitleidig. Dann ließ er mich auf der Straße stehen.
Ich ging nach Hause. Als ich die Wohnungstür öffnete, stand ein fremder Mann vor mir. "Wer sind Sie?" fragte er unfreundlich. "Mein Name ist Ralf Schmidt", stotterte ich. "Ich wohne hier." "So eine Frechheit", sagte der Mann. "Ich bin Ralf Schmidt." Er knallte mir die Tür vor der Nase zu.
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