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| 5. Februar 2009 | 14:28
Die Gehaltserhöhung
Mein Chef Anton Breitenbach saß freundlich lächelnd hinter seinem Schreibtisch. Ich atmete tief durch. Diesmal musste ich hart bleiben.
"Es geht", sagte ich, "um meine Gehaltserhöhung. Ich bin jetzt zwanzig Jahre bei der Firma und hatte noch keine Gehaltserhöhung." Breitenbach sah mich nachdenklich an.
"Was machen Sie heute abend?" fragte er plötzlich. "Ich gehe ins Kino", antwortete ich überrascht. "Kino." Er blickte sinnend vor sich hin. "Wie lange ist das her, dass ich das letzte Mal im Kino war?" Er schüttelte den Kopf. Dann erzählte er mir, dass er fast jeden Abend bis um elf arbeiten müsse. Alles wegen der Firma. Und wer danke es einem? Niemand.
Zwei Stunden ging das so. Am Schluss sagte Breitenbach, wegen der Gehaltserhöhung solle ich noch einmal in zwei Jahren kommen.
Und ich nickte. Das war mein Problem. Mir fehlte einfach das Durchsetzungsvermögen.
Ich machte einen Kurs an der Volkshochschule: Selbstbewusstsein und sicheres Auftreten im Alltag. Danach wagte ich einen neuen Versuch.
"Gehaltserhöhung?" Breitenbach lächelte. "Sie geben wohl nie auf", sagte er. Ich wartete. Diesmal schien es zu klappen. Doch auf einmal wurde Breitenbach ganz grün im Gesicht. Er sah mich starr an. Dann kippte er vom Stuhl.
"Meine Herztabletten," flüsterte er mit erstickter Stimme. "In der Jackentasche."
Nachdem ich ihm mit zitternden Fingern die Tabletten gereicht hatte, bat mich Breitenbach, ihn allein zu lassen. Er müsse sich erholen. Die Gehaltserhöhung erwähnte er nicht mehr.
Eine Stunde später traf ich Breitenbach beim Tennisspielen. Er hatte mich wieder hereingelegt. "Ein gemeiner Trick", sagte ich. Er hob abwehrend die Hände. Dann holte er ein Photo aus seiner Brieftasche. Es zeigte eine alte Frau. "Meine Mutter", sagte er. "Sie ist schwer krank."
Fast alles Geld, das Breitenbach verdiene, würde er für eine teure Operation bei einem amerikanischen Spezialisten sparen. Ich war erschüttert. Natürlich verzichtete ich auf meine Gehaltserhöhung.
Als ich meinen Kollegen von Breitenbachs Großherzigkeit erzählte, lachten sie. Ich erfuhr, dass seine Mutter seit zehn Jahren tot war.
Wütend ging ich zu Breitenbach. "Ich lasse mich nicht mehr abspeisen", schimpfte ich. "Gut", sagte er. "Sie bekommen Ihre Gehaltserhöhung." Doch dann fing er wieder an zu röcheln.
"Meine Herztabletten", keuchte er. Ich verschränkte die Arme und lehnte mich zurück. "Ich kenne den Trick", sagte ich. Doch Breitenbach kippte vom Stuhl und war tot.
Bei der Testamentseröffnung gab es eine große Überraschung. Breitenbach vererbte mir die Firma. Nur ich hätte das Durchsetzungsvermögen und die Hartnäckigkeit, die Firma zu führen. So stand es in seinem Testament.
Seitdem bin ich der Chef. Öfters kommen Mitarbeiter, die eine Gehaltserhöhung wünschen. Dann erzähle ich ihnen, dass ich Tag und Nacht nur für die Firma arbeite. Oder ich zeige ihnen das Photo von meiner schwerkranken Mutter. Ich habe viel von Breitenbach gelernt. Nur auf den Trick mit dem Herzanfall verzichte ich. Der ist mir einfach zu gefährlich.
"Es geht", sagte ich, "um meine Gehaltserhöhung. Ich bin jetzt zwanzig Jahre bei der Firma und hatte noch keine Gehaltserhöhung." Breitenbach sah mich nachdenklich an.
"Was machen Sie heute abend?" fragte er plötzlich. "Ich gehe ins Kino", antwortete ich überrascht. "Kino." Er blickte sinnend vor sich hin. "Wie lange ist das her, dass ich das letzte Mal im Kino war?" Er schüttelte den Kopf. Dann erzählte er mir, dass er fast jeden Abend bis um elf arbeiten müsse. Alles wegen der Firma. Und wer danke es einem? Niemand.
Zwei Stunden ging das so. Am Schluss sagte Breitenbach, wegen der Gehaltserhöhung solle ich noch einmal in zwei Jahren kommen.
Und ich nickte. Das war mein Problem. Mir fehlte einfach das Durchsetzungsvermögen.
Ich machte einen Kurs an der Volkshochschule: Selbstbewusstsein und sicheres Auftreten im Alltag. Danach wagte ich einen neuen Versuch.
"Gehaltserhöhung?" Breitenbach lächelte. "Sie geben wohl nie auf", sagte er. Ich wartete. Diesmal schien es zu klappen. Doch auf einmal wurde Breitenbach ganz grün im Gesicht. Er sah mich starr an. Dann kippte er vom Stuhl.
"Meine Herztabletten," flüsterte er mit erstickter Stimme. "In der Jackentasche."
Nachdem ich ihm mit zitternden Fingern die Tabletten gereicht hatte, bat mich Breitenbach, ihn allein zu lassen. Er müsse sich erholen. Die Gehaltserhöhung erwähnte er nicht mehr.
Eine Stunde später traf ich Breitenbach beim Tennisspielen. Er hatte mich wieder hereingelegt. "Ein gemeiner Trick", sagte ich. Er hob abwehrend die Hände. Dann holte er ein Photo aus seiner Brieftasche. Es zeigte eine alte Frau. "Meine Mutter", sagte er. "Sie ist schwer krank."
Fast alles Geld, das Breitenbach verdiene, würde er für eine teure Operation bei einem amerikanischen Spezialisten sparen. Ich war erschüttert. Natürlich verzichtete ich auf meine Gehaltserhöhung.
Als ich meinen Kollegen von Breitenbachs Großherzigkeit erzählte, lachten sie. Ich erfuhr, dass seine Mutter seit zehn Jahren tot war.
Wütend ging ich zu Breitenbach. "Ich lasse mich nicht mehr abspeisen", schimpfte ich. "Gut", sagte er. "Sie bekommen Ihre Gehaltserhöhung." Doch dann fing er wieder an zu röcheln.
"Meine Herztabletten", keuchte er. Ich verschränkte die Arme und lehnte mich zurück. "Ich kenne den Trick", sagte ich. Doch Breitenbach kippte vom Stuhl und war tot.
Bei der Testamentseröffnung gab es eine große Überraschung. Breitenbach vererbte mir die Firma. Nur ich hätte das Durchsetzungsvermögen und die Hartnäckigkeit, die Firma zu führen. So stand es in seinem Testament.
Seitdem bin ich der Chef. Öfters kommen Mitarbeiter, die eine Gehaltserhöhung wünschen. Dann erzähle ich ihnen, dass ich Tag und Nacht nur für die Firma arbeite. Oder ich zeige ihnen das Photo von meiner schwerkranken Mutter. Ich habe viel von Breitenbach gelernt. Nur auf den Trick mit dem Herzanfall verzichte ich. Der ist mir einfach zu gefährlich.
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Kommentare: 0
Kerstin
(Homepage)
am
14. Februar 2009
um
11:33
Ist die Geschichte wahr? Also egal, ob wahr oder nicht, es könnte eine Story aus dem täglichen Leben sein, denke ich. Es ist nur kaum zu fassen, wie schwer sich manche Chefs tun, eine wirklich berechtigte Gehaltserhöhung auch zu gewähren.


