Montag, 26. Januar 2009
Der Ruf
Sie klopfen an deine Tür.
Sie rufen dich.
Ich bin nicht bereit, sagst du.
Es ist zu früh.
Und wenn ich aufschreckte in der Nacht,
von Ahnung geweckt,
so hatte das nichts zu bedeuten.
Eine Störung des Stoffwechsels,
die vorübergeht.
Sie stehen vor deiner Tür.
Sie warten
Sie rufen dich.
Geht weiter, sagst du.
Ihr findet einen andern.
Und warum ich?
Ich bin nur einer,
der hinter der Tür kauert und hofft,
dass ihr weitergeht.
Sie klopfen an deine Tür.
Das Pochen wird lauter,
dringt durch deine Hände,
die gegen die Ohren pressen.
Wir rufen dich, sagen sie.
Atem und Worte
in der Eiswüste deines Herzens,
wo alles erstarrt ist.
Wir rufen dich,
weil du uns gerufen hast.
Donnerstag, 15. Januar 2009
Der Gabelbieger
Als mich mein Freund Paul das letzte Mal besuchte, sind wir auf das Thema Parapsychologie gekommen. Da erzählte Paul vom letzten Parapsychologenkongress, auf dem er als langjähriger Forscher von übersinnlichen Wahrnehmungen teilgenommen hatte.
"Parapsychologie", warf ich ein, "geht das nicht um die Leute, die mit Wünschelruten durch die Gegend laufen und sich einen Spaß machen, in fremden Küchen die Gabeln zu verknoten?" Paul schüttelte den Kopf. "Leider", meinte er, "stoßen wir in der Öffentlichkeit immer wieder auf solche Vorurteile. Wünschelrutenlaufen und das Verbiegen von Gabeln. Das sind aber nur Randbereiche unserer Forschung."
Es seien die seriösen Aspekte der Parapsychologie, die ihn interessierten, fuhr Paul fort. Die Ufoforschung zum Beispiel oder das Lesen der Zukunft aus dem Kaffeesatz. Was Paul erzählte, klang hochinteressant. Ich hörte ihm mit großer Spannung zu.
"Wie kann man solche Phänomene erklären?", fragte ich ihn. "Dass Menschen die Zukunft vorhersagen können, dass einer durch Handauflegen Kranke von Hämorrhoiden befreit. Wie ist das möglich?" Paul lehnte sich nach meiner Frage zurück.
Der Parapsychologe, erklärte er mir, wisse eben, dass die Dinge, die wir sehen könnten, nur Vorstellungen dieser Dinge seien, weil es die Dinge selbst gar nicht wirklich gebe. Genau wie ja auch die Zeit nur eine Vorstellung sei und nicht real existiere. Es könne sein, dass heute nicht heute sei, sondern gestern heute und heute morgen, weil morgen gestern sei.
Als Paul mein Gesicht sah, erklärte er es mir an einem konkreten Beispiel. "Der Stuhl, auf dem du sitzt", sagte er. "Du denkst, dass dieser Stuhl real ist, aber in Wirklichkeit ist er das gar nicht. Er ist nur die Vorstellung eines Stuhls und überhaupt nicht real."
Ich stand erschrocken auf und schaute meinen Stuhl misstrauisch an. "Aber wie kann ich dann darauf sitzen?", fragte ich. Paul setzte ein wissendes Lächeln auf. "Weil du ja auch nicht real bist. Weil wir uns nur einbilden, dass wir sind. Wir sind gar nicht wirklich. Wir sind nur eingebildete Erscheinungsformen einer Wirklichkeit, die es in Wirklichkeit gar nicht wirklich gibt." Und deshalb, beendete Paul seine Ausführungen, könne ein Parapsychologe Gabeln verbiegen oder die Uhr anhalten, weil er ja nur die Vorstellung der Dinge zu beeinflussen brauche und nicht die Dinge selbst.
Als Paul gegangen war, schwirrte mir der Kopf. In der Küche entdeckte ich, dass Paul mit seiner Parapsychologie sämtliche Gabeln verknotet hatte. Ein kleiner Spaß, den er sich manchmal bei Besuchen erlaube, erklärte er mir später auf meine Vorhaltungen und entschuldigte sich. Eingeladen habe ich ihn trotzdem nicht mehr. Ich fühle mich immer so unwohl in seiner Gegenwart, irgendwie unwirklich.
"Parapsychologie", warf ich ein, "geht das nicht um die Leute, die mit Wünschelruten durch die Gegend laufen und sich einen Spaß machen, in fremden Küchen die Gabeln zu verknoten?" Paul schüttelte den Kopf. "Leider", meinte er, "stoßen wir in der Öffentlichkeit immer wieder auf solche Vorurteile. Wünschelrutenlaufen und das Verbiegen von Gabeln. Das sind aber nur Randbereiche unserer Forschung."
Es seien die seriösen Aspekte der Parapsychologie, die ihn interessierten, fuhr Paul fort. Die Ufoforschung zum Beispiel oder das Lesen der Zukunft aus dem Kaffeesatz. Was Paul erzählte, klang hochinteressant. Ich hörte ihm mit großer Spannung zu.
"Wie kann man solche Phänomene erklären?", fragte ich ihn. "Dass Menschen die Zukunft vorhersagen können, dass einer durch Handauflegen Kranke von Hämorrhoiden befreit. Wie ist das möglich?" Paul lehnte sich nach meiner Frage zurück.
Der Parapsychologe, erklärte er mir, wisse eben, dass die Dinge, die wir sehen könnten, nur Vorstellungen dieser Dinge seien, weil es die Dinge selbst gar nicht wirklich gebe. Genau wie ja auch die Zeit nur eine Vorstellung sei und nicht real existiere. Es könne sein, dass heute nicht heute sei, sondern gestern heute und heute morgen, weil morgen gestern sei.
Als Paul mein Gesicht sah, erklärte er es mir an einem konkreten Beispiel. "Der Stuhl, auf dem du sitzt", sagte er. "Du denkst, dass dieser Stuhl real ist, aber in Wirklichkeit ist er das gar nicht. Er ist nur die Vorstellung eines Stuhls und überhaupt nicht real."
Ich stand erschrocken auf und schaute meinen Stuhl misstrauisch an. "Aber wie kann ich dann darauf sitzen?", fragte ich. Paul setzte ein wissendes Lächeln auf. "Weil du ja auch nicht real bist. Weil wir uns nur einbilden, dass wir sind. Wir sind gar nicht wirklich. Wir sind nur eingebildete Erscheinungsformen einer Wirklichkeit, die es in Wirklichkeit gar nicht wirklich gibt." Und deshalb, beendete Paul seine Ausführungen, könne ein Parapsychologe Gabeln verbiegen oder die Uhr anhalten, weil er ja nur die Vorstellung der Dinge zu beeinflussen brauche und nicht die Dinge selbst.
Als Paul gegangen war, schwirrte mir der Kopf. In der Küche entdeckte ich, dass Paul mit seiner Parapsychologie sämtliche Gabeln verknotet hatte. Ein kleiner Spaß, den er sich manchmal bei Besuchen erlaube, erklärte er mir später auf meine Vorhaltungen und entschuldigte sich. Eingeladen habe ich ihn trotzdem nicht mehr. Ich fühle mich immer so unwohl in seiner Gegenwart, irgendwie unwirklich.
Montag, 5. Januar 2009
Die Satire 'Ausverkauf' in dem Schweizer Online-Magazin NAHAUFNAHMEN
Das Schweizer Online - Magazin nahaufnahmen hat eine Geschichte von mir veröffentlicht.
Der Titel der Satire: Ausverkauf. 'nahaufnahmen - Das Magazin im Netz' berichtet über die Themen Musik, Film, Wissen, Denken, Theater und Literatur
In der Rubrik rezepte versucht das Magazin Autoren und Autorinnen eine Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Texte zu geben.
Der Titel der Satire: Ausverkauf. 'nahaufnahmen - Das Magazin im Netz' berichtet über die Themen Musik, Film, Wissen, Denken, Theater und Literatur
In der Rubrik rezepte versucht das Magazin Autoren und Autorinnen eine Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Texte zu geben.


