www.gunnar-schuberth.de
| 30. Dezember 2008 | 16:10
Gute Vorsätze
Mit den guten Vorsätzen von meinem alten Schulfreund Alfred Mock hat alles angefangen.
Silvester vor vier Jahren. Alfred war damals gerade Abgeordneter geworden und wir sprachen lange darüber, dass heutzutage niemand mehr einem Politiker trauen würde.
Unser Gespräch hatte Alfred nachdenklich gemacht. "Weißt du", sagte er ziemlich betrunken kurz vor 12 zu mir, "das mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr habe ich immer für einen Blödsinn gehalten. Aber diese Vorwürfe, wir Politiker würden immer nur lügen, das hat mich wirklich getroffen. Und deshalb verspreche ich dir, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr lügen werde." Seine Stimme klang auf einmal sehr feierlich.
Das, was er jetzt gesagt habe, meinte er, das sei seine letzte Lüge gewesen, Ehrenwort.
Alfreds Rede hatte mir imponiert. Ich spürte plötzlich auch das Verlangen, ein besserer Mensch zu werden und beschloss spontan, im neuen Jahr das Trinken aufzugeben. Ich war kein Alkoholiker, das nicht, aber nach meiner letzten Zechtour war ich in einem Hotelzimmer neben einer Frau aufgewacht, die mir völlig fremd war, in einem Schlafanzug, der nicht mir gehörte und der Hotelportier hatte mir auf meine Frage nach der Zeit in einem afrikanischen Suaheli-Dialekt geantwortet. Das hatte mir zu denken gegeben.
Meinen guten Vorsatz durchzuhalten, war nicht einfach. Aber ich schaffte es. Der Erfolg machte mir Mut.
Silvester vor drei Jahren gab ich das Rauchen auf. Fünf Minuten vor Neujahr trat ich meine letzte Zigarette aus. Im nächsten Jahr beschloss ich, meine Ernährung radikal umzustellen. Kein Fleisch mehr, keine Süßigkeiten, damit ich endlich mein Idealgewicht erreichen würde. Auch das gelang mir ohne größere Schwierigkeiten.
Einen guten Vorsatz für das folgende Jahr zu finden war nicht einfach. War mein Leben doch jetzt gänzlich frei von Lastern und schlechten Gewohnheiten. Weil mich meine konsequente Lebensführung etwas unduldsam mit meinen willensschwachen Mitmenschen gemacht hatte, beschloss ich, tolerant und gütig zu werden und alle Raucher, Trinker und Dicken zu verstehen.
Gewiss, es ist eine gute Sache, wenn man alle seine Vorsätze erfüllt. Doch bin ich in letzter Zeit sehr einsam geworden. Meine Freunde kommen kaum noch vorbei. Sie sagen, es sei nicht auszuhalten mit einem Menschen, der keinerlei Laster oder schlechte Angewohnheiten besitze.
Auch habe ich in der Zeitung gelesen, dass mein alter Schulfreund, der Politiker Alfred Mock, in einen riesigen Korruptionsskandal verwickelt ist. Er hat mich also belogen mit seinen guten Vorsätzen. Oder habe ich das nicht richtig verstanden? In diesem Jahr habe ich die Konsequenz gezogen. Ich habe den Vorsatz gefasst, mir ein kleines Laster zu gönnen und fange wieder mit dem Rauchen an.
Silvester vor vier Jahren. Alfred war damals gerade Abgeordneter geworden und wir sprachen lange darüber, dass heutzutage niemand mehr einem Politiker trauen würde.
Unser Gespräch hatte Alfred nachdenklich gemacht. "Weißt du", sagte er ziemlich betrunken kurz vor 12 zu mir, "das mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr habe ich immer für einen Blödsinn gehalten. Aber diese Vorwürfe, wir Politiker würden immer nur lügen, das hat mich wirklich getroffen. Und deshalb verspreche ich dir, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr lügen werde." Seine Stimme klang auf einmal sehr feierlich.
Das, was er jetzt gesagt habe, meinte er, das sei seine letzte Lüge gewesen, Ehrenwort.
Alfreds Rede hatte mir imponiert. Ich spürte plötzlich auch das Verlangen, ein besserer Mensch zu werden und beschloss spontan, im neuen Jahr das Trinken aufzugeben. Ich war kein Alkoholiker, das nicht, aber nach meiner letzten Zechtour war ich in einem Hotelzimmer neben einer Frau aufgewacht, die mir völlig fremd war, in einem Schlafanzug, der nicht mir gehörte und der Hotelportier hatte mir auf meine Frage nach der Zeit in einem afrikanischen Suaheli-Dialekt geantwortet. Das hatte mir zu denken gegeben.
Meinen guten Vorsatz durchzuhalten, war nicht einfach. Aber ich schaffte es. Der Erfolg machte mir Mut.
Silvester vor drei Jahren gab ich das Rauchen auf. Fünf Minuten vor Neujahr trat ich meine letzte Zigarette aus. Im nächsten Jahr beschloss ich, meine Ernährung radikal umzustellen. Kein Fleisch mehr, keine Süßigkeiten, damit ich endlich mein Idealgewicht erreichen würde. Auch das gelang mir ohne größere Schwierigkeiten.
Einen guten Vorsatz für das folgende Jahr zu finden war nicht einfach. War mein Leben doch jetzt gänzlich frei von Lastern und schlechten Gewohnheiten. Weil mich meine konsequente Lebensführung etwas unduldsam mit meinen willensschwachen Mitmenschen gemacht hatte, beschloss ich, tolerant und gütig zu werden und alle Raucher, Trinker und Dicken zu verstehen.
Gewiss, es ist eine gute Sache, wenn man alle seine Vorsätze erfüllt. Doch bin ich in letzter Zeit sehr einsam geworden. Meine Freunde kommen kaum noch vorbei. Sie sagen, es sei nicht auszuhalten mit einem Menschen, der keinerlei Laster oder schlechte Angewohnheiten besitze.
Auch habe ich in der Zeitung gelesen, dass mein alter Schulfreund, der Politiker Alfred Mock, in einen riesigen Korruptionsskandal verwickelt ist. Er hat mich also belogen mit seinen guten Vorsätzen. Oder habe ich das nicht richtig verstanden? In diesem Jahr habe ich die Konsequenz gezogen. Ich habe den Vorsatz gefasst, mir ein kleines Laster zu gönnen und fange wieder mit dem Rauchen an.
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Kommentare: 0
Markus
(Homepage)
am
3. Januar 2009
um
14:03
Naja, ist das wirklich so sinnvoll, ausgerechnet das Rauchen wieder anzufangen? Schau mal, nirgends darf man mehr rauchen, das Laster ist eines der teuersten. Ich hätte mir eher mal wieder ein Gläschen Bier oder so gegönnt. Dann gibt es wenigstens noch ein Laster und die Freunde kommen sicher auch wieder zurück.
Mike
(Homepage)
am
5. Januar 2009
um
17:27
Danke für Deinen Beitrag. Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr 2009 mit viel Erfolg und Gesundheit.
Thomas
(Homepage)
am
7. Januar 2009
um
17:27
Also ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ich finde es gut, dass du aufgehört hast zu rauchen, ich finde es auch gut das du abgenommen hast, aber ich finde die Reaktion von deinen Freunden nicht gut. Denn wenn es wirkliche Freunde sind dann nehmen sie dich auch ohne Laster. Ob du dich natürlich persönlich so stark verändert hast das sie dich nicht mehr mögen kann ich nicht beurteilen, aber nur wegen „Nicht Rauchen und Schlank sein“ sollten sie sich nicht von dir distanzieren.
Frank B.
(Homepage)
am
13. Januar 2009
um
18:27
Kannst du dir kein anderes Laster zulegen? Wie wäre es damit, jeden Tag Gemüse zu essen? ;-)


