Sorgenfresser
Ich weiß, ich mache mir zuviel Sorgen. Jeder sagt das. Aber ist das ein Wunder in der heutigen Zeit? Katastrophen, wohin man sieht.
Wenn ich die Zeitung aufschlage, beginnen meine Sorgen. Wer stoppt den Friseur von Angela Merkel? Und wann findet Boris Becker endlich die richtige Frau? So viele Gründe gibt es, sich Sorgen zu machen.
Ich war deswegen auch schon beim Psychiater. Er hat sich meine Sorgen aufmerksam angehört. Am Ende wiegte er nachdenklich den Kopf. "Ich mache mir ernstlich Sorgen um Sie", sagte er. Das schien mir ein viel versprechender Anfang.
Doch dann erzählte mir mein Psychiater von seinen Sorgen. Dass die grünen Verkehrsampelmännchen jetzt eine Gewerkschaft gegründet hätten, meinte er, das mache ihm wirklich Sorgen.
"Sie müssen sich das vorstellen", erklärte er mir. "Berufsverkehr am Montagabend und alle grünen Verkehrsampelmännchen in Deutschland streiken. Eine Horrorvorstellung."
Nach diesem Gespräch verließ ich meinen Psychiater. Es gibt ja wirklich ernstere Dinge, um die man sich sorgen muss.
Meine Sorgen wuchsen von Tag zu Tag. Da traf ich meinen alten Schulfreund Herbert. Ich erzählte ihm alles in einer Kneipe. "Schon wenn ich zur Tür hinausgehe", sagte ich, "habe ich Angst, ich könnte auf einer Bananenschale ausrutschen."
"Oder was noch schlimmer wäre", meinte Herbert. "Du weichst der Bananenschale aus und fällst dabei in einen zufällig offen stehenden Lüftungsschacht."
"Und wenn ich außer Haus bin", sagte ich, "mache ich mir Sorgen, dass jemand meine Wohnung ausraubt."
"Oder was noch schlimmer wäre", meinte Herbert. "Du kommst heim, die Wohnung ist ausgeraubt, und wenn du auf die Straße läufst, um die Polizei zu holen, fliegst du in einen zufällig offen stehenden Lüftungsschacht."
"Oder", sagte ich. "Ich gehe sorglos durch die Stadt und mir fällt ein Blumentopf auf den Kopf."
"Und du torkelst danach orientierungslos auf der Straße und fällst in einen offen stehenden Lüftungsschacht", meinte Herbert.
Ich nickte glücklich. Endlich hatte ich jemanden gefunden, der mich verstand. Schließlich erklärte mir Herbert, wie ich mich endlich von meinen Sorgen befreien könnte.
Es stellte sich heraus, dass Herbert Versicherungsvertreter war. Er habe da ein tolles Angebot für mich. Gegen Blumentöpfe, die auf den Kopf fallen, gegen Wohnungseinbrüche und vor allem gegen zufällig offen stehende Lüftungsschächte.
Seitdem ich die Versicherungen bei Herbert unterschrieben habe, mache ich mir endlich keine Sorgen mehr. Nur eine Sorge habe ich noch: Wie soll ich die ganzen teuren Versicherungspolicen bezahlen?
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Wie heißt doch dieser Buchtitel so schön: "Sorge dich nicht, lebe!"
Ein Motto, dem ich mich mit seit ein paar Jahren verschrieben habe, und was soll ich sagen: Mir geht es seither viel besser!


