Die Konkurrenz
Die Maus trug ein enges Kostüm und hatte riesige Ohren. Der Weihnachtsmann starrte auf den Fernseher. Das war sie also, seine Konkurrenz, die Weihnachtsmaus.
"Eine Frage am Anfang", begann Florian Potter, der bekannte Talkmaster, das Interview. "Warum diese großen Ohren?" Die Weihnachtsmaus lächelte. "Damit ich die vielen Wünsche der Kinder besser hören kann", flötete sie.
Diese Lügnerin, dachte der Weihnachtsmann. Wo doch jeder wusste, dass die großen Ohren der Maus als Werbefläche gedacht waren.
Weil er sich geweigert hatte, als lebende Litfasssäule herumzulaufen, war die Werbeindustrie auf die Idee mit der Maus gekommen. Die Kinder werden nicht auf diese Maus hereinfallen, dachte er. Niemals.
Eine Woche später saß er mit dem Christkind betrübt bei einem Glas Glühwein. "Ich hätte es nicht gedacht", sagte er. "Sie hat die Kinder gekauft", sagte das Christkind. "Hast du ihre Ohren gesehen?" fragte der Weihnachtsmann. "Sie sind nicht zu übersehen", meinte das Christkind.
"Irgendwie", sagte der Weihnachtsmann, "kommen mir diese Ohren bekannt vor. Ich weiß nur noch nicht, woher."
Am nächsten Tag war der Weihnachtsmann schon mittags mit seiner Arbeit fertig. Von ferne sah er, wie Dutzende von Kindern dichtgedrängt um die Weihnachtsmaus standen. Die Maus selber sah er nicht, nur ihre riesigen Ohren, auf denen blödsinnige Sprüche standen wie: "Kauft Troch, die ganz andere Schokolade" oder "Willys Jeans sind die besten." Diese Ohren, dachte der Weihnachtsmann wieder. Ich kenne sie.
Es begannen harte Tage. Die Zeitungen feierten die Maus als neuen Star. "Weihnachtsmaus beliebter als Thomas Gottschalk", lauteten die Schlagzeilen. Der Weihnachtsmann begann zu trinken. Er verschlief ganze Tage, ließ immer öfter die Arbeit liegen. Dann begegnete er der Weihnachtsmaus überraschend auf der Straße. Er drückte sich verschämt in eine Ecke. Ein nicht endenwollender Tross von Kindern lief an ihm vorbei. Die riesigen Ohren der Maus wackelten dem Zug voran. Plötzlich wusste der Weihnachtsmann, woher er die Ohren kannte: Es waren die Ohren des Osterhasen.
Zwei Tage später saß die Weihnachtsmaus hinter Gittern und der Weihnachtsmann war der Held des Tages. Die Nachforschungen der Polizei hatten seinen ungeheuren Verdacht bestätigt: Die Weihnachtsmaus hatte mit Hilfe eines skrupellosen Chirurgen dem Osterhasen die Ohren abgeschnitten und sie für ihre Zwecke benutzt. Den Osterhasen hatte man im Keller der Maus gefunden. Zum Glück konnten ihm die Ohren wieder angenäht werden.
Der Weihnachtsmann feierte seinen Erfolg mit dem Christkind. Er lächelte zufrieden und nahm einen Schluck Glühwein. "Die Maus ist aus dem Rennen", sagte er. "Jetzt habe ich endlich wieder meine Ruhe."
"Sag das nicht", meinte das Christkind. Sie schaltete den Fernseher ein. Bei Florian Potter gab es eine Sondersendung. Der Weihnachtsmann traute seinen Augen nicht. In einer Reihe versammelt saßen der Weihnachtsbär, die Weihnachtsfledermaus, das Weihnachtskänguru und der Weihnachtspinguin.
"Ja", sagte das Christkind. "Die Konkurrenz schläft nicht."
Unverhofft
Unverhofft
überfällt mich das Leben,
packt mich am Kragen
und schüttelt
alle Gedanken aus dem Kopf.
Leben musst du
gellt es in meinen Ohren
und sein brüllender Bauch
verlacht jedes wofür.
Spüren musst du,
wie dein Puls
alles Blut
durch die Adern jagt.
Tanzen musst du
und lieben und hoffen.
Leben musst du
jetzt.
Momente
Die Sinnlichkeit in ihrem Gang, die Eleganz,
die Ahnung ihrer Nacktheit unter ihrem Kleid.
Ihr Atem, ihr Geruch, die Selbstvergessenheit,
die unbeschwerte Lust, mit der sie tanzt.
Das leichte Schauern auf erregter Haut,
der Schimmer ihres Haars in der Bewegung
und ihre Anmut, ihr Gesicht vor der Begegnung
von Körpern, fremd und unvertraut.
Was mich erregt, was mich verzehrt, es sind Momente.
Was aller Sehnen Anfang heißt und Ende
ist flüchtige Erotik von Sekunden.
Die Ungeduld in ihrem Blick, die Hast
der Stimme, wenn Begierde sie erfasst,
der Zauber eines Augenblicks, der ganz gelungen.


