Die Erregung - Liebessonett

Und endlich kam der Augenblick, wo Stille war.
Und was wir sprachen, war von Atemlosigkeit umfangen.
Du lagst vor mir und lächeltest, kaum wahrnehmbar.
Und mir verschlug der Atem vor Verlangen.

So schön warst du, ich glaubte, dich berühren.
Das wäre wie ein neuer Kontinent.
Wenn man zum ersten Mal sich selbst erkennt.
Mir war, als würd ich Ehrfurcht spüren.

Und deine Worte in die Nacht gesprochen
verklangen ohne Richtung und Bezug.
Entflammt von Schönheit aller Zeiten und Epochen

war dich verführen ungezähmter Tanz
auf dem Vulkan meiner Begierden. Jeder Atemzug
verbrannte auf der Haut und wir verschmolzen ganz.

 

Jeder Mensch hat Freunde

Jeder Mensch hat Freunde.
Ich will euch suchen, meine Freunde.
Ich will die Worte finden, die euch erreichen.

Wenn die Nacht erstirbt
wie ein ausgebranntes Feuer
und der Wind mühsam
meine Worte trägt
zu anderen Stimmen
oder in das Nichts,

ist mein Wunsch,
dass ihr meine Worte hört.

Ich habe eine Hoffnung:
Jeder Mensch hat Freunde.

 

Dabeisein ist alles - Satire

Ich bin ein leidenschaftlicher Fersehzuschauer. Vor allem Sport, da bin ich immer dabei. Wenn in fünf Tagen die Olympischen Spiele in China beginnen, werde ich ganz vorne sitzen, vor dem Fernseher.
Früher war ich bisweilen auch vor Ort und habe mir dort alles angesehen. Aber das habe ich aufgegeben. Was sieht man schon. Die Glatze des Vordermannes und irgendwo dahinter weit weg im Stadion ein paar winzig kleine Figuren, die aufgeregt hin und her rennen.
Auch hatte ich immer Zweifel, ob ich wirklich das sehe, was im Fernsehen gezeigt wird. Ich vermute sowieso, dass die Realität da draußen hinter den Fenstern meiner Wohnung nur eine Vorstellung ist und nur die Fernsehwirklichkeit Realität besitzt.
Mein Freund Werner sagte mir zwar kürzlich, dass außerhalb unserer Fernsehwirklichkeit Dinge geschehen, von denen wir nur träumen könnten, ungeheure Dinge, die niemals im Fernsehen gesendet würden, aber ich glaube das nicht. Nur was im Fernsehen war, kann auch passiert sein. Wer weiß, ob Werner überhaupt wirklich existiert. Im Fernsehen habe ich ihn noch nie gesehen.
Auf die Olympischen Spiele bereite ich mich schon seit Wochen vor. Dauerfernsehen ist Hochleistungssport. Hartes Training und salzarme Ernährung, darauf schwöre ich. Um fit zu bleiben, spielt ein ausgewogenes Fernsehprogramm eine ganz wichtige Rolle. Erst ein Krimi, dann ein Erotikspielfilm und zum Schluss noch ein Blutsaugerfilm, das ist Raubbau am Körper eines Hochleistungssportlers. Vegetative Störungen stellen sich hier fast zwangsläufig ein.
Als Ausgleich empfehle ich den regelmäßigen Genuss von Vorabendserien. Sie sind entspannend, stopfen nicht und haben bei Depressionen und Bluthochdruck eine geradezu medizinische Wirkung. Aber: auf die Dosis kommt es an. Ein Übermaß führt schnell zu heftigem Sodbrennen.
Dieses Jahr möchte ich meinen persönlichen Rekord übertreffen. Vor zwei Jahren, bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, habe ich 32 Stunden ohne Unterbrechung die Berichterstattung verfolgt. In diesem Jahr hoffe ich schon 40 Stunden aushalten zu können.
Meine Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Bei einem letzten Test habe ich 15 Stunden Samstagabend-Show auf Video angesehen. Die medizinische Untersuchung danach ergab ausgezeichnete Werte. Nur mein Blut war etwas übersäuert. Aber der Arzt meinte, bei 15 Stunden Samstagabend-Show sei das kein Wunder. Er selbst fühle sich schon nach einer Stunde um Jahre gealtert. Ich bin jedenfalls ausgezeichnet vorbereitet. Die Spiele können beginnen. Dabeisein ist alles.