Perfektionismus
Ich gebe zu, ich bin ein Perfektionist. Recycling, Müllvermeidung, Energiesparen, ich habe es hier bis zur Vollendung gebracht. Mülltrennnung, keine Einwegflaschen, Toilettenpapier nur aus 100 Prozent Altpapier, das sind für mich Selbstverständlichkeiten.
Aber wo andere aufhören, fange ich erst an. Vor kurzem habe ich begonnen, auch bei meinen Meinungsäußerungen zu sparen. Auf eigene Meinungen verzichte ich ganz. Im Gespräch übernehme ich einfach die Meinung meines Gesprächspartners. Das schafft Harmonie und Freude. Ein jeder ist glücklich, wenn man dieselbe Meinung hat.
Erzähle ich Witze, dann nur schon gebrauchte. Ich ändere meine alten Witze ein wenig ab, hier ein anderer Name, da ein neuer Anfang, und schon sind sie wieder verwendbar. Dass jeder fluchtartig das Weite sucht, wenn ich meine Recycling-Witze zum Besten gebe, führe ich auf die Verschwendungssucht meiner Mitmenschen zurück. Sie können sich mit dem Altbewährten einfach nicht zufriedengeben.
Auch bei dem, was ich denke, bin ich sparsam. Einen Gedanken benutze ich immer mehrmals, wende ihn hin und her, kaue auf ihm herum, bis nichts mehr von ihm da ist, und ich auf keinen Fall Gefahr laufe, diesen Gedanken noch lange mit mir herumtragen zu müssen.
Am weitesten bin ich bei meinen Gefühlsäußerungen. Wutausbrüche und Liebesbeteuerungen, welche Energieverschwendung. Ich verwende nur ein Gefühl, wenn ich schon mal eins brauche. Es ist ein diffuses, ungenaues Gefühl, das wunderbar auf alle Situationen paßt. Ich sage einfach, ich hab' da so ein Gefühl, und jeder nickt sofort verstehend. Bald hoffe ich, ganz auf Gefühle verzichten zu können.
Kürzlich sagte mir eine Freundin, dass ich das mit Recycling und Energiesparen wohl ein wenig falsch verstanden habe. Ich habe darauf nichts gesagt, weil ich ja auf eigene Meinungen verzichte und auch beim Denken spare, aber irritiert hat mich das schon.
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DREI soll unser gemeinsames Tagesblogjournal werden. In DREI wird täglich aus einem Partnerblog ein Text vorgestellt. Dazu kommen zwei weitere Textblöcke, für die auch jeder eigene Vorschläge meinreichen kann. Die vorgestellten Texte können Gedichte sein, Kurzprosa aber auch Prosa in Fortsetzungen. Dies ist also eine Möglichkeit, auf die eigenen kreativen Möglichkeiten angemessen hinzuweisen.
Unter http://blindenhund.over-blog.com stehen die ersten Testblogs. Überzeugen Sie sich, dass es sich langfristig lohnt, sich mit „Appetithäppchen“ einzubringen und setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Wir möchten mit diesem Projekt mehr Schwung unter die Literaturblogszene bringen. Die Leseproben müssen von den Autoren stammen und die Kriterien unter http://blindenhund.over-blog.com/article-20863247.html erfüllen. Gemeinsam sind wir erfolgreicher.
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