Der Spielmacher

Auf dem Spielfeld gibt es viele Macher. Der eine macht eine Schwalbe nach der anderen, der andere macht nur einen guten Eindruck und der dritte macht etwas her, ohne viel zu machen. Und dann gibt es noch den Spielmacher. Er macht das Spiel.

Der Spielmacher ist ein Künstler. Deshalb hat er seine Eigenheiten. Der eine muss immer als letzter einlaufen. Der andere ist abergläubisch, trägt immer die selben Socken und wäscht sie nie. So eine Angewohnheit kann auf Dauer sehr belastend für die Mannschaft sein.

Der Spielmacher liebt das elegante Spiel, den kurzen schnellen Doppelpass, den genialen Schlenzer aus dem Fußgelenk, der alle überrascht, die Gegner, die Mitspieler und manchmal den Spielmacher selbst. Schlecht ist, wenn der Spielmacher schneller denkt als seine Stürmer laufen können. Dann steht er auf verlorenem Posten.

Was der Spielmacher nicht liebt sind Manndecker. In ihrer aggressiven und bissigen Variante nennt man sie auch Terrier. Der Terrier kennt nur ein Ziel. Er muss den Spielmacher ausschalten, ihn kleinkriegen, ihn kaltmachen. Dafür ist dem Terrier jedes Mittel recht. Er steht dem Spielmacher auf den Füßen, wenn keiner aufpasst, zieht er ihm die Hose runter, er schubst ihn, drängelt, hält ihn fest, klebt an ihm wie Sirup und riecht aus dem Mund. Das alles, um dem Spielmacher zu ärgern und ihn nicht ins Spiel kommen zu lassen.

Weil der Spielmacher das Spiel macht, muss ein anderer die ganze Arbeit machen. Dafür gibt es den Wasserträger. Der hält dem Spielmacher den Rücken frei. Wenn ein Wasserträger auch das Spiel machen will, gibt es Ärger. Denn Spielmacher gibt es nur einen in der Mannschaft. Zwei Spielmacher, das geht selten gut.

Wenn der Spielmacher zu eigensinnig wird, wird er zum Trickser. Er trickst und trickst, will alles alleine machen und den Ball nicht mehr abgeben. Dann verliert er seine Bedeutung, weil er ja nicht mehr das Spiel macht, sondern nur noch Tricks.

Zum runden Leder hat der Spielmacher ein ganz besonderes Verhältnis. Er redet manchmal mit ihm, nennt ihn eine alte Lederhaut. Im Spiel tritt er nicht einfach nach dem Ball, so wie es zum Beispiel der Terrier macht, der nach allem tritt, was sich bewegt, überall draufhaut, irgendwas wird er schon treffen. Muss der Spielmacher so etwas mit ansehen, blutet ihm das Herz. Für ihn ist der Terrier ein brutaler Klopper.

Ganz anders der Spielmacher. Mit seinen Spielmacherfüßen streichelt er den Ball, er schlenzt ihn, er schneidet ihn an, er lupft ihn, er spielt den Ball mit Effet.

Heute scheint der Spielmacher auszusterben. Unter Trainern ist er nicht unbedingt beliebt. Auch braucht er besondere Pflege. Man muß ihn schon früh entdecken und aufpassen, daß er auch wirklich ein Spielmacher wird, und nicht ein Geschäftemacher, oder gar ein Liedermacher, weil das Machen liegt ihm im Blut. Aber ein Fußballspiel ohne einen Spielmacher ist nur die halbe Sache. Fußball ist mehr als nur ein Spiel. Aber das begreift man nur, wenn man einen Spielmacher in Aktion sieht.

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